IFA 2026: LightMake L4 bringt vier unabhängige Druckköpfe in einen 3D-Drucker

Vier Druckköpfe, Linearmotoren und deutlich weniger Materialwechsel: Mit dem L4 präsentiert LightMake einen ungewöhnlichen 3D-Drucker, der Mehrfarbdruck und Kleinserienproduktion miteinander verbinden möchte. Das Gerät setzt dabei nicht auf einen einzigen Druckkopf mit wechselnden Filamenten, sondern auf vier unabhängig arbeitende Druckköpfe.

Beim FDM-3D-Druck gehört der Wechsel zwischen verschiedenen Farben und Materialien zu den aufwendigeren Aufgaben. Bei vielen aktuellen Systemen werden mehrere Filamente über einen gemeinsamen Druckkopf verarbeitet. Beim Farbwechsel muss das vorhandene Material zunächst aus der Düse gedrückt werden, bevor die nächste Farbe sauber gedruckt werden kann.

Der LightMake L4 verfolgt einen anderen Ansatz. Jeder der vier Druckköpfe verfügt über eine eigene Materialzufuhr. Soll während des Drucks die Farbe oder das Material gewechselt werden, wird deshalb nicht das Filament innerhalb einer Düse ausgetauscht. Stattdessen übernimmt ein anderer Druckkopf die Aufgabe.

Vier Köpfe für einen Druck

Das Konzept eröffnet verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Der L4 kann bis zu vier Farben oder Materialien innerhalb eines Modells kombinieren. Gleichzeitig lassen sich die vier Druckköpfe auch für die parallele Produktion verwenden.

Im sogenannten Batch-Modus können mehrere identische Objekte gleichzeitig entstehen. Damit richtet sich der L4 nicht nur an Maker, die farbige Modelle erstellen möchten, sondern auch an Entwickler, Designstudios und kleinere Unternehmen, die regelmäßig mehrere Exemplare eines Bauteils benötigen.

Auch spiegelverkehrte Modelle können parallel gefertigt werden. Dadurch soll sich die verfügbare Druckzeit insbesondere bei kleineren Serien besser ausnutzen lassen.

Farbwechsel in rund einer Sekunde

Ein wesentlicher Vorteil der Konstruktion liegt beim Wechsel zwischen den Druckköpfen. LightMake gibt dafür eine Wechselzeit von rund einer Sekunde an.

Da die unterschiedlichen Filamente bereits in separaten Druckköpfen bereitstehen, entfällt der klassische Filamentwechsel innerhalb einer gemeinsamen Düse. Dadurch kann sich insbesondere bei Modellen mit zahlreichen Farbwechseln die Druckzeit reduzieren.

Auch der Materialverbrauch soll sinken. Statt größere Mengen Filament aus einer gemeinsamen Düse zu spülen, wird lediglich zwischen den bereits vorbereiteten Druckköpfen gewechselt. Ganz ohne Materialverlust arbeitet das System allerdings nicht, da beispielsweise Vorbereitungs- und Reinigungsprozesse weiterhin erforderlich sein können.

Linearmotoren statt Riemenantrieb

Technisch interessant ist auch das Bewegungssystem. LightMake setzt beim L4 auf Linearmotoren und verzichtet damit auf die bei vielen Desktop-3D-Druckern üblichen Riemenantriebe.

Die Druckköpfe werden elektromagnetisch entlang der Bewegungsachsen geführt. Eine geschlossene Positionsregelung soll dabei für eine präzise Bewegung sorgen. LightMake gibt eine Bewegungspräzision von bis zu ±1 Mikrometer an.

Bei der Geschwindigkeit ist der L4 ebenfalls auf hohe Werte ausgelegt. Die maximale Druckgeschwindigkeit soll 500 Millimeter pro Sekunde erreichen, während die Verfahrgeschwindigkeit bei bis zu 1.000 Millimetern pro Sekunde liegt.

Damit die schnellen Bewegungen nicht zu sichtbaren Druckfehlern führen, kombiniert LightMake das Antriebskonzept mit einem stabilen Rahmen und einer softwaregestützten Schwingungskompensation.

Großer Bauraum

Trotz der vier Druckköpfe bietet der L4 einen großzügigen Druckbereich. Die nutzbare Fläche beträgt bis zu 354 × 370 Millimeter bei einer maximalen Bauhöhe von 386 Millimetern.

Damit lassen sich auch größere Modelle in einem Stück fertigen. Gleichzeitig kann die Druckfläche für mehrere kleinere Bauteile genutzt werden.

Die vier Druckköpfe können unabhängig voneinander angehoben werden. Das soll verhindern, dass ein gerade nicht benötigter Druckkopf mit dem bereits gedruckten Objekt kollidiert.

Bis zu vier Materialien kombinieren

Neben unterschiedlichen Farben ist der L4 auch für die Kombination verschiedener Filamenttypen ausgelegt. Dadurch lassen sich beispielsweise starre und flexible Materialien innerhalb eines Druckprojekts miteinander verbinden.

Unterstützt werden unter anderem PLA, PETG, ABS, ASA und TPU. Auch bestimmte faserverstärkte Filamente können eingesetzt werden.

Für umfangreichere Farbprojekte lässt sich das System zudem erweitern. In Verbindung mit einem zusätzlichen Filament-System sollen deutlich mehr Farben zur Verfügung stehen können.

Interessant für kleine Serien

Der vielleicht spannendste Aspekt des L4 liegt deshalb weniger im klassischen Mehrfarbdruck als in der Kombination aus mehreren Druckköpfen und paralleler Fertigung.

Wer beispielsweise vier identische Gehäuseteile, Prototypen oder andere Bauteile benötigt, kann diese gleichzeitig produzieren. Ein einzelner Drucker übernimmt damit Aufgaben, für die ansonsten mehrere Geräte erforderlich wären.

Für professionelle Anwender könnte das insbesondere bei Kleinserien interessant sein. Für private Nutzer wiederum bietet das System die Möglichkeit, mehrere Varianten eines Modells gleichzeitig herzustellen.

Auch Software spielt eine wichtige Rolle

LightMake kombiniert die Hardware mit umfangreichen Automatisierungsfunktionen. Dazu gehören die Überwachung laufender Druckaufträge sowie Funktionen zur Verwaltung mehrerer Geräte.

Für größere Installationen soll sich der L4 auch in eine Art Druckerfarm integrieren lassen. Aufträge können dabei zentral verteilt und nacheinander von verfügbaren Maschinen übernommen werden.

Zusätzlich setzt LightMake auf KI-basierte Funktionen, die bei der Vorbereitung von Druckaufträgen helfen sollen. Damit soll der L4 nicht nur schneller drucken, sondern auch den organisatorischen Aufwand rund um mehrere Druckaufträge reduzieren.

Ein ungewöhnlicher Ansatz für den 3D-Druck

Mit dem L4 versucht LightMake, gleich mehrere bekannte Herausforderungen des FDM-Drucks zu adressieren: Farbwechsel, Materialverbrauch und die relativ langsame Produktion kleiner Serien.

Der Ansatz ist dabei ungewöhnlich. Statt einen einzelnen Druckkopf immer schneller zu machen, verteilt das Unternehmen die Aufgaben auf vier unabhängige Werkzeuge. Das macht den Drucker interessant für Mehrfarbmodelle, aber auch für Anwender, die regelmäßig mehrere identische Bauteile benötigen.

Ob die ambitionierten Geschwindigkeits- und Präzisionswerte im Alltag tatsächlich erreicht werden und wie zuverlässig das Vierkopf-System langfristig arbeitet, muss sich allerdings noch zeigen. Der L4 wird zunächst über eine Kickstarter-Kampagne finanziert und befindet sich damit in einer Phase, in der sich einzelne Details bis zur Serienproduktion noch ändern können.

Auf der IFA 2026 dürfte der LightMake L4 dennoch zu den ungewöhnlicheren 3D-Druck-Neuheiten gehören. Das Konzept zeigt, dass die Entwicklung nicht ausschließlich in Richtung höherer Druckgeschwindigkeiten geht, sondern zunehmend auch die Frage stellt, wie sich mehrere Druckaufträge und Materialien gleichzeitig effizient verarbeiten lassen.