Eine Sicherheitskamera soll möglichst viel sehen, möglichst wenig Fehlalarm auslösen und im Idealfall auch dann funktionieren, wenn niemand zu Hause ist. Reolink versucht auf der IFA 2026, gleich mehrere dieser Anforderungen miteinander zu verbinden.
Im Mittelpunkt des Messeauftritts steht die neue OMVI 2i Ultra. Die Kamera kombiniert zwei unterschiedliche Perspektiven in einem Gerät und soll damit ein Problem klassischer schwenkbarer Kameras lösen: Während eine PTZ-Kamera einer Bewegung folgt, kann sie andere Bereiche aus dem Blick verlieren.
Zwei Kameras in einem Gehäuse
Die OMVI 2i Ultra setzt deshalb auf ein Dual-View-Konzept. Eine fest ausgerichtete Kamera behält die Umgebung im Blick, während ein zweites Kameraelement gezielt auf erkannte Ereignisse reagieren kann.

Der Hauptsensor liefert dabei eine 4K-Weitwinkelansicht. Die zweite Kamera lässt sich schwenken und neigen und kann erkannte Personen oder andere relevante Objekte verfolgen.
So könnte beispielsweise eine Person auf der Einfahrt erkannt werden, während gleichzeitig ein anderer Bereich des Grundstücks weiterhin überwacht wird. Die Kamera muss sich nicht für eine einzige Blickrichtung entscheiden.
Reolink kombiniert das System außerdem mit automatischem Tracking und Zoom. Damit sollen nicht nur Bewegungen erkannt, sondern relevante Situationen auch detaillierter verfolgt werden können.
Akku, Solar und WLAN
Die OMVI 2i Ultra ist für den Einsatz im Außenbereich ausgelegt und arbeitet kabellos. Die Energieversorgung übernimmt ein Akku, der durch Solarenergie unterstützt werden kann.
Damit entfällt die Notwendigkeit eines permanenten Stromanschlusses. Gerade an Garagen, Gartenhäusern, Einfahrten oder anderen Stellen, an denen eine Stromleitung nur mit Aufwand verlegt werden könnte, eröffnet das zusätzliche Möglichkeiten.
Bei der Funkverbindung setzt Reolink auf Dualband-WLAN mit Wi-Fi 6. Gleichzeitig lässt sich die Kamera mit dem lokalen Reolink-Ökosystem verbinden und kann Aufnahmen auch ohne verpflichtendes Cloud-Abonnement speichern.
ReoNeura: KI soll Sicherheitskameras besser verstehen
Noch interessanter als die neue Hardware ist die Weiterentwicklung der hauseigenen ReoNeura-KI. Reolink möchte damit die Videoanalyse stärker vom klassischen „Bewegung erkannt“-Prinzip lösen.
Die Kameras sollen Personen, Fahrzeuge und Tiere unterscheiden können. Darüber hinaus kann die KI Situationen und Ereignisse analysieren und gezielter nach relevanten Aufnahmen suchen.

Neu ist insbesondere die Möglichkeit der Custom AI Detection. Nutzer sollen eigene Szenarien definieren können, die für ihr Grundstück relevant sind.
Das Prinzip lässt sich vereinfacht so vorstellen: Statt lediglich nach einer Person oder einem Fahrzeug zu suchen, kann das System auf eine konkrete Situation trainiert beziehungsweise dafür konfiguriert werden. Dadurch soll die Überwachung stärker an die individuellen Gegebenheiten eines Grundstücks angepasst werden können.
Die KI bleibt im eigenen Zuhause
Ein wichtiger Punkt bei Reolink ist die lokale Verarbeitung. Die KI-Funktionen sollen nicht zwingend auf einen entfernten Cloud-Dienst angewiesen sein.
Das betrifft auch die Videosuche. Statt sich durch zahlreiche Aufnahmen manuell hindurchzuarbeiten, können Nutzer relevante Szenen über eine natürlichere Beschreibung auffinden.
Für ein Sicherheitssystem ist das mehr als ein Komfortfeature. Je mehr Kameras und je längere Aufnahmezeiten zusammenkommen, desto schwieriger wird es, bestimmte Ereignisse später wiederzufinden.
Lokale KI soll hier die Suche beschleunigen und gleichzeitig verhindern, dass sämtliche Videodaten für die Analyse in eine externe Cloud übertragen werden müssen.
Home Hub 2 wird zur Zentrale
Passend dazu stellt Reolink den Home Hub 2 vor. Das Gerät fungiert als zentrale Speicher- und Verwaltungsstation für das heimische Kamerasystem.
Bis zu acht Reolink-Kameras lassen sich daran anbinden. Der interne Speicher kann durch externe Speichermedien auf insgesamt bis zu 16 Terabyte erweitert werden.
Besonders interessant ist die integrierte lokale Videosuche. Aufnahmen können mithilfe der KI durchsucht werden, ohne dass dafür zwingend ein kostenpflichtiger Cloud-Dienst erforderlich ist.
Der Home Hub 2 soll damit nicht nur ein Speicher sein, sondern zunehmend das Zentrum des Reolink-Sicherheitssystems bilden.
Der Verkaufsstart ist für Herbst 2026 vorgesehen. Der Preis soll bei 159,99 Euro liegen.
TrackFlex WiFi überwacht größere Bereiche
Eine weitere Neuheit ist die TrackFlex WiFi. Auch hier setzt Reolink auf zwei Objektive, allerdings mit einem anderen Schwerpunkt.
Die 4K-Kamera kombiniert einen großen Erfassungsbereich mit einer beweglichen Kameraeinheit. Der horizontale Schwenkbereich reicht bis zu 355 Grad, während ein zusätzlicher Neigemechanismus für vertikale Abdeckung sorgt.
Das System soll dadurch einen großen Bereich überwachen können, ohne dass mehrere starre Kameras notwendig sind.
Auch hier übernimmt KI einen Teil der Arbeit. Personen, Fahrzeuge und Tiere können unterschieden werden, während automatisches Tracking dafür sorgt, dass interessante Ereignisse weiter verfolgt werden.
Eine weitere Funktion namens Quick Event Localization soll dafür sorgen, dass bei einem erkannten Ereignis nicht nur ein kurzer Ausschnitt, sondern der relevante Zusammenhang besser erfasst wird.
Die TrackFlex WiFi soll im vierten Quartal 2026 für 199,99 Euro erhältlich sein.
Mehr Akkulaufzeit für kabellose Kameras
Reolink zeigt auf der IFA außerdem eine neue Generation besonders energieeffizienter Kameras. Ziel ist eine längere Laufzeit der Akkus, damit die Geräte seltener geladen werden müssen.
Dafür wird die Funk- und Energieverwaltung optimiert. In Verbindung mit Solarunterstützung kann daraus ein System entstehen, das im Idealfall über lange Zeit weitgehend autark arbeitet.
Gerade diese Entwicklung dürfte für Außenkameras entscheidend sein. Je weniger häufig ein Nutzer die Kamera vom Montageort abnehmen muss, desto näher kommt das Konzept einer tatsächlich wartungsarmen Sicherheitslösung.
Sicherheit ohne monatliche Gebühren
Ein roter Faden zieht sich durch die neuen Produkte: Reolink setzt weiterhin stark auf lokale Speicherung und lokale Verarbeitung.
Das unterscheidet die Systeme von vielen Sicherheitskameras, bei denen bestimmte KI-Funktionen oder die Speicherung der Aufnahmen an ein kostenpflichtiges Cloud-Abonnement gekoppelt sind.
Für Nutzer bedeutet das mehr Kontrolle über die eigenen Aufnahmen. Gleichzeitig bleibt das System auch dann funktionsfähig, wenn keine permanente Verbindung zu einem externen Cloud-Dienst besteht.
Die Kamera wird zum intelligenten Beobachter
Mit den neuen Produkten verändert sich damit auch die Rolle der Überwachungskamera. Sie soll nicht mehr lediglich aufzeichnen, was vor dem Objektiv passiert.
Durch mehrere Kameras in einem Gerät, automatisches Tracking und KI-Analyse kann sie zunehmend selbst entscheiden, welche Ereignisse relevant sind. Der Home Hub 2 übernimmt anschließend Speicherung und Suche.
Das Ergebnis ist ein System, bei dem der Nutzer möglichst wenig Zeit mit der eigentlichen Überwachung verbringen muss. Statt stundenlang Videomaterial zu durchsuchen, soll die Technik relevante Situationen automatisch erkennen und später gezielt auffindbar machen.
