Transport Fever 2

Der Ausflug auf die virtuelle Modellbahnanlage geht mit Transport Fever 2 in die nächste Runde. Es ist nach Train Fever und Transport Fever bereits das dritte Spiel der schweizerischen Spieleentwickler Urban Games und soll diese Reihe sinnvoll fortsetzen.

 

Worum es in Transport Fever 2 geht

Transport Fever 2 ist eine klassische Transport- und Wirtschaftssimulation. Dabei überwiegt bei der Simulation des Transportteils etwas der Wirtschaftssimulation. Eine KI-Konkurrenz oder einen Multiplayer gibt es bewusst nicht.

Das Spiel beinhaltet eine Kampagne und das freie Spiel.

Im Verlauf der Kampagne können die Spieler in 3 Kapiteln die Geschichte des Transportwesens von den Anfängen der industriellen Revolution im Jahr 1850 bis in die Gegenwart erleben.

Die gut inszenierte Kampagne ist zu Beginn vor allem ein Tutorial, das den Spieler langsam Schritt für Schritt an die einzelnen Spielmechaniken heranführt. Für Einsteiger ist dies durchaus zu empfehlen, für Veteranen der Serie sind vor allem die ersten Missionen eher langweilig. Wirtschaftlich fordernd ist die Kampagne nicht wirklich, in der Regel hat man genügend Geld, um die gestellten Aufgaben zu bewältigen.

Wer die Kampagne komplett durchspielen möchte, ist damit durchaus mehrere Stunden beschäftigt

Das wahre Herzstück des Spiels ist allerdings nach wie vor das freie Spiel mit seinen zufällig generierten oder von der Community bzw. dem Karteneditor erstellten Karten.

Mit dem Zufallsgenerator lassen sich jetzt Karten in drei Klimazonen erstellen. Die aus dem Vorgänger schon bekannten Klimazonen „gemäßigt“ (Europa) und „trocken“ (USA) wurden um eine „tropische“ Klimazone erweitert. Diese repräsentiert den asiatischen Raum. Passend dazu wurden Dutzende neue Fahrzeuge aus dem asiatischen Raum dem Spiel hinzugefügt.

Dies ist nicht nur optisch eine schöne Ergänzung zu den bisherigen Klimazonen, hierdurch lassen sich erstmals Schiffe und Flugzeuge wirklich sinnvoll einsetzen.

Der Shinkansen, welcher ab 1964 der erste verfügbare Hochgeschwindigkeitszug im Spiel ist,  auf einer tropischen Karte.

Der Zufallsgenerator wurde im Vergleich zum Vorgänger verbessert. Nachdem alle Einstellungen ausgewählt wurden, erhält man eine Vorschau der generierten Karte. Damit entfällt das aus dem Vorgänger bekannte lästige Laden der generierten Karte nur, um dann festzustellen, dass die Karte nicht den Vorstellungen entspricht.

Je Klimazone sind unterschiedliche Schieberegler vorhanden, welche neben dem Zufallswert direkten Einfluss auf die Karte haben.

Wem die zufällig generierten Karten nicht zusagen, kann auf den im Spiel enthaltenen Karteneditor zurückgreifen. Hier kann man mit einigen simplen und dennoch mächtigen Werkzeugen zügig eigene Karten erstellen und anschließend bespielen. Auch im Spiel selbst kann man die Karten dann weiter den eigenen Vorstellungen anpassen und verändern. Für Schön-Bauer und virtuelle Modellbahner ist dies ideal.

Im ersten Schritt wird wie im Zufallsgenerator auf Wunsch die Landschaft generiert. Alternativ kann die Landschaft auch komplett manuell erstellt werden.

Sobald die Landschaft wie gewünscht generiert wurde, kann man diese laden und weiter bearbeiten und ergänzen.

Im Anschluss kann man je nach Wunsch mittels einem einfachen Tool Städte unterschiedlicher Größen an der gewünschten Position platzieren. Auch die Warenbedürfnisse der Städte kann man auswählen.

Passend dazu können natürlich auch Industrien an gewünschter Stelle platziert werden. Hier lässt sich bei weiterverarbeitenden Betrieben auch die Entwicklungsstufe des Betriebs auswählen.

 

Grafik und Sound

Gegenüber dem Vorgänger hat sich Transport Fever 2 grafisch deutlich weiterentwickelt. Insbesondere die Landschaften sind viel detailreicher geworden. Auf den Karten ist mehr Flora und Faune zu entdecken als noch in Transport Fever.

Hier einige Beispiele in Form von Ingame Screenshots:

Wald und detailliertes Gras sowie vereinzelte Steine hübschen die Landschaft gegenüber dem Vorgänger auf. Die Zeiten von Einheitstextur sind vorbei.

Die Big Boy Lokomotive, eine Ikone der amerikanischen Eisenbahngeschichte, glänzt wie alle anderen Dampflokomotiven mit schönen Rauch- und Partikeleffekten.

Auch Steppenlandschaften, hier mit einer Bergstrecke im Hintergrund, werden detailliert dargestellt.

Bei metallischen Oberflächen auf Fahr- und Flugzeugen sind Reflexionen im Sonnenlicht zu erkennen.

Schiffe erzeugen realistische und schön gerenderte Wellen.

Die Städte entwickeln sich im Laufe der Zeit, abhängig von deren Versorgung mit Transportdienstleistungen und Gütern. Dabei ändert sich das Stadtbild je nach Epoche deutlich. Von einfachen Steinhäusern bis hin zu modernen Großstädten mit Wolkenkratzern ist hier alles geboten. Auch die Bekleidung der Bewohner und deren private Fortbewegungsmittel spiegeln die jeweilige Epoche detailliert wieder.

Die Soundeffekte sind großteils sehr gut. Insbesondere von Zügen, Flugzeugen und Schiffen sind diese durchaus gelungen und markant.

Bei den Motorengeräuschen von den Fahrzeugen und Trams könnte jedoch etwas Abwechslung nicht schaden, denn alle LKWs sowie Busse mit Verbrennungsmotor, unabhängig ob Peterbild 359 oder beispielsweise Isuzu Elf, sowie Elektro-Trams haben den gleichen Motorsound.

 

Interface, Features und Steuerung

Das Interface ist, wie auch das Hauptmenü, aufgeräumt und übersichtlich. Es lässt sich jederzeit nachvollziehen, warum Städte positive und negative Einflüsse erfahren. Diese Einflüsse wirken sich direkt auf die Entwicklung von den Städten aus.

Hierzu stehen dem Spiel zahlreiche Overlays zur Verfügung.

Die Übersicht einer Stadt mit allen Einflussfaktoren zur Entwicklung.

Im Overlay sind die Ziele des privaten sowie des öffentlichen (Nah-) Verkehrs ersichtlich.

Auch die Übersicht über die Güterbelieferung wird übersichtlich dargestellt.

Emissionen, ein wichtiges neues Feature.

Als ein neues Feature hat Transport Fever 2 die Emissionen eingeführt. Diese stellen eine Kombination aus Abgasen und Lärm dar. Emissionen wirken sich negativ auf das Wachstum von Städten aus. Diese müssen daher möglichst gering gehalten werden. Dies lässt sich beispielsweise durch leisere und besser gewartete Fahrzeuge realisieren. Außerdem werden alle Fahrzeuge mit steigender Lebenszeit lauter. Es lohnt also, die Fahrzeuge regelmäßig gegen fortschrittlichere Modelle zu ersetzten.

Besonders große Düsenjets wie die 757-200 erzeugen beim Start hohe Emissionen, daher sollten große Flughäfen weit außerhalb von Städten platziert werden.

Ein weiteres neues Feature, welches das Gameplay deutlich verändert, sind die modularen Stationen. Alle Stationen können nach deren Platzierungen modifiziert werden. Dies beginnt bei der Anzahl der Plattformen bzw. Liegeplätzen und deren Länge und endet bei Details wie zusätzlichen Gebäuden bei Bahnhöfen und Zugängen zu Straßen.

Man kann das Design der Bahnhöfe an die jeweilige Epoche anpassen, ohne die Station komplett abzureißen.

Durch dieses Feature ist es jetzt auch erstmals möglich, kombinierte Passagier- und Frachtbahnhöfe sowie (Flug-) Häfen zu bauen.

Richtig gelesen, Transport Fever 2 bietet erstmals die Möglichkeit Frachtflugzeuge einzusetzen.

Das mitunter interessanteste neue Feature ist die Möglichkeit, neben der normalen Spielgeschwindigkeit auch die Datumsgeschwindigkeit beeinflussen zu können. Dies ermöglicht im freien Spiel in einer persönlich favorisierten Epoche im Datumsfortschritt stehen zu bleiben und diese Epoche ausgiebig zu spielen. Unerwünschte Jahre können somit auch schneller passiert werden. Bei pausierter Datumsgeschwindigkeit laufen die normalen Ein- und Ausgaben davon unabhängig weiter.

Die Spielgeschwindigkeit kann pausiert werden, mit normaler, doppelter und 4-facher Geschwindigkeit laufen.

Unabhängig davon kann auch die Datumsgeschwindigkeit und damit das Fortschreiten der Jahre beeinflusst werden.

Transport Tycoon lässt grüßen: Der mit dem Unternehmenserfolg wachsende und frei platzierbare Firmensitz ist eine nette Hommage an einen Klassiker der Transportsimulationen.

 

Die Steuerung ist nach kurzer Eingewöhnungszeit eingängig und wurde gegenüber Transport Fever weiter verbessert. Der Bau von Gleisen und Straßen geht einfacher von der Hand, ist aber stellenweise immer noch etwas hakelig. Veteranen der Serie kennen dieses Thema schon, Einsteiger gewöhnen sich sicherlich schnell daran.

 

Der Austausch von einzelnen oder allen Fahrzeugen auf einer Linie geht nun mit wenigen Handgriffen und ist damit im Vergleich zum Vorgänger deutlich komfortabler. Der Austausch findet unmittelbar statt, die Fahrzeuge müssen hierfür nicht erst in ein Depot anfahren, die Ladung wird, ausreichend Kapazität vorausgesetzt, beibehalten.

Wie auch schon im Vorgänger ist eine Mod-Unterstützung vorhanden und wird auch aktiv von der Community genutzt. Bereits seit der Beta-Phase sind qualitativ hochwertige Mods verfügbar.

 

Fazit

Transport Fever 2 macht einen durchweg guten Eindruck. Das Spiel läuft weitestgehend flüssig und ohne Abstürze. Lediglich im Late Game mit vielen Transportlinien sind bei älteren Systemen leichte Performanceeinbrüche, vor allem auf großen und stärker bewaldeten Karten, erkennbar.

Man merkt deutlich, dass die Entwickler bei Transport Fever 2 an der Beseitigung von Schwächen des Vorgängers gearbeitet und dazu viel Feedback aus der Community berücksichtigt haben. Die neuen Features, welche die Spielmechaniken erweitern und den Bedienerkomfort steigern, sind eine sinnvolle Ergänzung der schon bekannten Stärken der Reihe.

Neben dem neuen asiatischen Setting und dem zugehörigen Fuhrpark merkt man sowohl an der guten Mod-Unterstützung als auch am neuen Karteneditor, dass den Entwickler die Fans der Reihe als auch das Spiel selbst am Herzen liegen.

Transport Fever 2 wurde am 11. Dezember 2019 vom Publisher Good Shepherd Entertainment veröffentlicht und ist derzeit für rund 40€* erhältlich.

Ein besonderer Dank geht an Urban Games, welche uns den Test von Transport Fever 2 ermöglicht haben.

Transport Fever 2

9.2

Grafik

9.5/10

Sound

8.5/10

Steuerung

9.0/10

Story/Inhalt

9.5/10

Extras

9.0/10

Preis

9.0/10

Mod-Unterstützung

10.0/10

Pro

  • Modulare Stationen
  • Einstellbare Datumsgeschwindigkeit
  • Tropisches Karten-Setting
  • Große Fahrzeugauswahl
  • Gute Simulation des Waren- und Personentransports
  • Nachvollziehbare Stadtentwicklung
  • Hohe Langzeitmotivation
  • Karteneditor
  • Mod-Unterstützung

Contra

  • Langweilige Musik
  • Eintönige Motorensound bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und Elektro-Trams
  • Keine wirtschaftliche Herausforderung in der Kampagne