Rivet – Killer-Networkcontroller

In diesem Artikel beziehen wir uns seit langer Zeit wieder einmal nicht auf eine einzelne Komponente, sondern werfen einmal einen detaillierten Blick auf die Killer-Netzwerkcontroller aus dem Hause Rivet Networks, welche sich auf immer mehr Gaming-Mainboards und in entsprechenden Gaming-Notebooks befinden und wollen euch somit die gebotenen Features und Besonderheiten etwas näher bringen.

About Killer Networks:

Gerade die etwas älteren Leser unter euch werden sich sicherlich noch an die Anfangszeiten von Killer erinnern, als im Jahre 2007 mit der Killer K1 eine PCI-Netzwerkkarte auf den Markt gekommen ist, welche speziell für Gamer entwickelt wurde.


Bildquelle: Caseking.de

Zu den damaligen Zeiten wurden auf etlichen Lanpartys Diskussionen zwischen glücklichen Besitzern einer Killer K1 und Gamern, welche sie sich entweder nicht leisten konnten, oder nicht an die angepriesenen Vorteile glaubten geführt. In Anbetracht des damaligen Alters der potenziellen Käufer und dem Anschaffungspreis, welcher beim Auslaufen der Netzwerkkarte noch bei über 150€* lag, waren diese Diskussionen schon berechtigt.
Da die Netzwerkkarte durch den auf Linux basierenden Netzwerkstack in Kombination mit dem dedizierten Coreprozessor gewisse Vorteile brachte, fand die Netzwerkkarte trotz des vergleichsweise hohen Anschaffungspreises einen festen Platz in der Gaming-Scene.

Im Jahr 2011 wurde die Marke Killer von Qualcomm aufgekauft. Qualcomm hat die Entwicklung der Killer-Netzwerkchips nicht nur im Bereich der kabelgebundenen Netzwerkkomponenten dahin weiterentwickelt, dass die ersten Killer-Netzwerkcontroller fest auf Gaming-Mainboards verbaut wurden, sondern führte auch zum ersten mal eine Killer-WLAN-Karte ein.

2014 kaufte Rivet Networks die Rechte an Killer zurück. Rivet Networks wurde von den damaligen Gründern der Marke Killer gegründet, wodurch das Produkt nun wieder in Gründungshand liegt. Natürlich ist die Entwicklung auch hier nicht stehen geblieben, sondern wurde fortlaufend weiter getrieben. So kommen in der Zwischenzeit auf immer mehr Gaming-Mainboards und Gaming-Notebooks aktuelle Killer-Chips zum Einsatz, welche sich nicht nur auf die kabelgebundene Netzwerkkarte beschränken, sondern auch WLAN-Netzwerkkarten mit einbeziehen. Hierdurch ergeben sich zu den damaligen Anfängen zusätzliche Möglichkeiten, um die Netzwerkperformance zu steigern und die Anschaffungskosten sind zudem stark gesunken.

Die aktuellen Netzwerkcontroller:

Der aktuelle Killer-Controller ist bei kabelgebundenen Netzwerkkarten der E2400 und bei WLAN-Karten der Wireless-AC-1535. Beide Controller unterstützen einige Features, welche bei normalen Netzwerkkarten in dieser Form nicht vorhanden sind:

Wie man den beiden Tabellen entnehmen kann, gibt es hier eine ganze Reihe an zusätzlichen Funktionen, welche von den meisten handelsüblichen Netzwerkkarten nicht geboten werden. Es gibt natürlich auch höherwertige Netzwerkkarten am Markt, welche einen Teil dieser Features bieten, diese beziehen sich jedoch in der Regel nicht auf Bereiche, welche zur Steigerung der Performance zutreffen. Ausgenommen hiervon ist Intels Teaming-Funktion sowie die Priorisierung, welche bei manchen sehr hochwertigen Gaming-Mainboards über eine entsprechende Software gesteuert werden kann.

ExtremeRange Technologie

Der Killer-Wireless-AC-1535-Controller wurde mit der ExtremeRage Technologie versehen, welche einem im Vergleich zu anderen WLAN-Netzwerkkarten einen besseren Datendurchsatz bieten soll, wenn die Distanz zum Router steigt. Dies ist gerade im schnellen 5-GHz-Band von Vorteil. Dieses bietet zwar eine höhere Bandbreite als das 2,4-GHz-Band, jedoch bietet es eine geringere Reichweite. Die ExtremeRange Technologie von Killer soll bei einer Entfernung von 10m eine Steigerung von bis zu 25% beim Datendurchsatz erzielen.

MU-MIMO:

Die MU-MIMO Technik ist zwar keine Technik, welche ausschließlich bei dem Killer-Wireless-AC-1535-Controller eingesetzt wird, sondern viel mehr eine Technik, welche von modernen und hochwertigen Netzwerkkomponenten unterstützt wird. Bei der MU-MIMO Technik (Multi-User-Multiple-In-Multiple-Out) können mehrere Frames zur gleichen Zeit übertragen werden. Dies kann entweder von einem MU-MIMO fähigen Router aus an mehrere Endgeräte, oder von einem MU-MIMO fähigen Router aus an ein Endgerät, welches ebenfalls die MU-MIMO Technik unterstützt geschehen.

Transmit Beamforming:

Bei der Transmit Beamforming Technik wird das WLAN-Signal direkt zwischen dem WLAN-Router und dem kompatiblen WLAN-Controller ausgerichtet, wodurch die Signalstärke bei einer höheren Distanz verbessert wird. Um diese Funktion nutzen zu können, muss ein WLAN-Router eingesetzt werden, welcher die MU-MIMO Technik unterstützt.

Lag And Latency Reduction:

Um die Performance beim spielen von Online-Games und betrachten von HD-Video-Streams zu steigern, hat sich Killer die Lag And Latency Reduction Technologie patentieren lassen. Mittels dieser Technologie werden die hierzu notwendigen Netzwerkpakete zweimal schneller transportiert, als es bei handelsüblichen Netzwerkkarten der Fall ist.

Killer DoubleShot Pro:

Mittels der Killer DoubleShot Pro Technologie wird einem die Möglichkeit gegeben, über einen einfachen Mausklick in der Konfigurationssoftware nicht nur einen kabelgebundenen Killer Ethernet Controller zu nutzen, sondern diesen mit einem ebenfalls verbauten Killer Wireless-AC 1535 Controller zusammenzuschließen, ohne dass es zu Komplikationen im eigenen Netzwerk kommt. Dies ist zwar keine bahnbrechende Neuerung, zumindest, wenn es darum geht, mehrere Netzwerkkarten in einem Rechner als gruppierte Netzwerkkarte zu nutzen, wie es z.B. Intel mittels seiner Teaming-Funktion macht, jedoch erstreckt sich die Killer DoubleShot Pro Technologie auch über die verbaute WLAN-Netzwerkkarte und funktioniert auch mit jedem beliebigen Switch bzw. Router, wodurch man sich die hohen Anschaffungskosten eines für den privaten Bereich überdimensionierten HP oder Cisco Switch bzw. Router spart.
Die Killer DoubleShot Pro Technologie geht im aktivierten Zustand hin, und schickt die am höchsten priorisierten Pakete über die schnellste Schnittstelle, was in der Regel die kabelgebundene Schnittstelle ist. Die Pakete, welche eine niedrigere oder normale Priorisierung haben, werden über die zweite Netzwerkschnittstelle versendet.

Die Killer DoubleShot Pro Technologie sorgt somit nicht nur dafür, dass geringere Latenzen für Programme erzielt werden, welchen eine hohe Priorität zugeteilt wurde, sondern erhöht auch die maximale Bandbreite, da beide Netzwerkkarten gleichzeitig genutzt werden können. Dieser Vorteil kann jedoch nur im lokalen Netzwerk ausgenutzt werden, da wohl kaum jemand eine Internetleitung in seinen eigenen vier Wänden hat, welche einem eine maximale Geschwindigkeit von 1,867 GBit/s ( Killer Ethernet (1 GBit/s) + Killer 11ac (867 MBit7s) ) liefert.
Hat man in seinem System nicht nur eine kabelgebundene Killer-Netzwerkkarte, sondern gleich zwei sowie eine entsprechende Killer-WLAN-Netzwerkkarte, so steigt die maximale Geschwindigkeit dank Killer-DoubleShot-X3-Pro auf 2,867 GBit/s.

Software:

Zusammen mit dem Treiber liefert Rivet Networks auch den Killer Network Manager aus, in welchem sich alle Einstellungen vornehmen lassen, die für die grundlegenden Funktionen der Netzwerkkarten nötig sind. Auch die zusätzlichen Features lassen sich in dem Killer Network Manager verwalten und kontrollieren.

Der Killer Network Manager ist vom Design her an die Kacheloberfläche angepasst, welche man von den aktuellen Windowsversionen her kennt. Hier stehen einem sechs verschiedene Menüzugriffe zur Verfügung:

  • Anwendungen
  • Leistung
  • WLAN-Manager
  • Einstellungen
  • Killer Wireless
  • Killer Manager

Im Bereich Anwendungen bekommt man alle Prozesse angezeigt, welche auf die aktiven Netzwerkverbindungen zugreifen. Diese können nach verschiedenen Kriterien sortiert werden.

Es ist jedoch nicht nur möglich, sich die einzelnen Verbindungen anzeigen zu lassen und gleichzeitig zu sehen, welche Anwendung gerade welchen Traffic verursacht, sondern es ist auch eine manuelle Priorisierung der einzelnen Anwendungen, das begrenzen des Netwerktraffics bei gewünschten Anwendungen oder das blockieren einzelner Anwendungen möglich. Der Killer Network Manager nimmt hier jedoch auch von selbst eine Priorisierung vor, indem er entscheidet, für welche Anwendung welche Netzwerkverbindung die beste ist. Hierbei wird ebenso darauf geachtet, wie welche Netzwerkkarte gerade ausgelastet ist.

Im Softwarebereich „Leistung“ erhält man einen grafischen Überblick über die aktuellen Ereignisse seiner Netzwerkverbindung. So kann man sich z.B. ein Tortendiagramm mit den fünf Anwendungen anzeigen lassen, welche gerade den größten Traffic verursachen.

Ebenso kann man sich hier auch die in der Umgebung befindlichen WLAN-Netze im 2,4 Ghz und 5Ghz Band anzeigen lassen.

Im Softwareabschnitt „Einstellungen“ kann man wahlweise seine Internetverbindungsgeschwindigkeit eintrage oder diese automatisch ermitteln lassen. Ebenso ist es hier möglich, die Killer DoubleShot Pro Technologie zu aktivieren bzw. deaktivieren.

Um detailliertere Einstellungen der verbauten Netzwerkkarten wie z.B. die Einstellungen der IP-Adressen vornehmen zu können, gibt es hier zu jeder verbauten Killer-Netzwerkkarte einen entsprechenden Menüpunkt auf der Startseite der Software.

Test:

Um gleich beide Varianten der Killer-Netzwerkkarten für euch testen zu können, haben wir ein MSI GT72 Gaming-Notebook herangezogen. Dieses verfügt neben einer kabelgebundenen Killer-E2200- auch über eine Killer-Wireless-AC-1535-Netzwerkkarte, wodurch wir auch die Killer DoubleShot Pro Technologie entsprechend testen können. Um hier jedoch die volle Übertragungsgeschwindigkeit zu erreichen, welche in der Theorie möglich ist, bedarf es auch noch weiterer Komponenten, welche in den Testaufbau integriert werden müssen. Um die Killer DoubleShot Pro Technologie voll ausreizen zu können, bedarf es entweder zwei Server, welche per Gigabit-Ethernet im selben Netzwerk verbunden sind, oder einen Server, welcher mittels 10 GBit/s mit dem Netzwerk verbunden ist.

In unserem Test haben wir einen Server eingesetzt, welcher mittels einer Intel X520 Netzwerkkarte über eine 10 Gigabit-Glasfaserverbindung mit einem Extreme Networks Black Diamon 8806 verbunden ist. Um eine WLAN-Verbindung kümmert sich ein EA8500 Max-Stream MI-MIMO Gigabit Router, welcher wie auch die Killer-E2200-Netzwerkkarte des Gaming-Notebooks mittels einer Gigabit-Kupferverbindung direkt an dem Backbone-Switch angebunden ist.

Um den Netzwerkdurchsatz zu ermitteln, haben wir auf das Programm Netperf zurückgegriffen. Dieses wird auf dem Server in der der Server-Instanz und auf dem Gaming-Notebook in der Client-Instanz gestartet. Um beide Netzwerkkarten mittels der Killer DoubleShot Pro Technologie nutzen zu können, muss Netpref zweimal ausgeführt werden. So kann die erste Instanz mit der höchsten Priorität versehen werden, wodurch diese über die kabelgebundene Schnittstelle läuft. Die zweite Instanz wird eine Stufe niedriger priorisiert und wird somit über die WLAN-Schnittstelle ausgeführt. Die verwendeten Kupferkabel haben eine Länge von 7,5m und sind Cat 7 spezifiziert.

In einem ersten Schritt haben wir hier den Single-Benchmark gestartet. In diesem konnten wir über die kabelgebundene Killer-E2200-Netzwerkkarte 943 MBit/s übertragen. Über die Killer-Wireless-AC-1535-Netzwerkkarte wanderten gleichzeitig 618 MBit/s. Von den theoretisch möglichen 1,867 GBit/s konnten wir in unserem Test so 1.561 GBit/s übertragen.

Im nächsten Schritt haben wir den Performance-Benchmark gestartet, in welchem jeweils fünf Durchläufe über den TCP-Port 1460 und UDP-Port 1472 absolviert wurden. In diesen wurden über die kabelgebundene Killer-E2200-Netzwerkkarte 936 MBit/s (TCP) und 948 MBit/s (UDP) übertragen. Über die Killer-Wireless-AC-1535-Netzwerkkarte wanderten gleichzeitig 589 MBit/s (TCP) und 597 MBit/s (UDP).

Für viele Gamer sind vor allem die Latenzen ausschlaggebend. Um herauszufinden, ob diese bei der Verwendung einer Killer-Netzwerkkarte geringer ausfallen, als mit einer herkömmlichen Netzwerkkarte, weswegen wir auch auf die Latenzen einen genaueren Blick geworfen haben. Hierzu haben wir im ersten Test auf unserem Rootserver, welcher mittels 10GB/s angebunden ist, einen Counter Strike Server gehostet. Dieser Server wurde in dem von uns durchgeführten Test mehrfach hintereinander besucht, wobei jedes mal eine andere Netzwerkkarte eingesetzt wurde. Neben den beiden Killer-Netzwerkkarten wurden auch noch „herkömmliche“ Netzwerkkarten herangezogen. Hierbei handelt es sich um diese Modelle:

  • Giga PHY Intel I218V (Onboardnetzwerkkarte ASRock X99 Extreme 11).
  • Realtek PCIe GBE Family Controller (HP Envy 17 J017sg Notebook)
  • Intel PRO/1000 PT Dual Port

Als Internetverbindung in der Redaktion wird auf einen Kabelanschluss von Unitymedia mit 400MBit/s zurückgegriffen.

Nachdem wir den Server das erste mal mit allen Netzwerkkarten besucht haben, haben wir in einer weiteren Testrunde im ersten Schritt einen Download einer knapp 20GB großen Datei und einen Amazon Prime Video Stream gestartet. Nachdem diese beiden netzwerklastigen Anwendungen gestartet wurden, wurde der Server mit dem jeweiligen System ein zweites mal besucht.

Ermittelt wurden in beiden Tests der durchschnittliche Ping während einer Minute Spielzeit.

Wie man dem Test entnehmen kann, macht hier die bereitgestellte Software den unterschied, indem Prioritäten der einzelnen Anwendungen gesetzt werden. Bei den drei Durchläufen, bei welchen auf eine entsprechende Software verzichtet wurde, ist hingegen zu erkennen, dass auch die Qualität des Netzwerkchips einen marginalen Unterschied mit sich bringt.

In einem Referenztest haben wir noch eine Ping-Test auf mod-your-case.de laufen gelassen, während welchem ebenfalls ein Download und ein Video Stream aktiv war. In diesem lag die Latenz bei herkömmlichen Netzwerkkarten zwischen 19 und 21. Bei der E2200 lag dieser bei einer manuellen Priorisierung bei 16ms und bei der Killer Wireless-AC 1535 bei 18ms.

Fazit:

Seitdem die Killer-Netzwerkprodukte wieder bei den ursprünglichen Gründern sind, findet man sie auf immer mehr Gaming-Mainboards sowie in immer mehr Gaming-Notebooks. Die beiden von uns getesteten Killer-Netzwerkkarten bieten im direkten Vergleich zu alternativen Netzwerkkomponenten zwar einzeln keine Leistungssteigerung. Jedoch können sie unter der Verwendung der DoubleShot-Pro-Technologie zusammengeschaltet werden, wodurch die Killer-Netzwerkprodukte beim Datendurchsatz einen entscheidenden Vorteil herausholen können. Diese Technologie erlaubt es einem seine verbauten Killer-Netzwerkkomponenten ohne zusätzliche Hardware zu bündeln und den verschiedenen Programmen, welche auf die Netzwerkverbindungen zugreifen entsprechend zu priorisieren. Hierzu hat man mittels des Killer-Network-Managers ein Tool dem Treiber beigepackt, durch welches sich die hierzu notwendigen Einstellungen kinderleicht vornehmen lassen. Ebenso können mittels dieser Software die wichtigsten Informationen über die aktiven Netzwerkverbindungen ausgelesen werden. Auch ein WLAN-Monitoring, welches man sonst nur von Routern kennt, ist mit in die Software integriert worden. Steht man also vor der Entscheidung, ob es ein Mainboard oder Notebook mit oder ohne Killer-Netzwerkkarten werden soll, können wir durch unseren Test jedem, der viele Daten übertragen und dabei einen hohen Datendurchsatz erreichen will, die Variante mit den Netzwerkkomponenten aus dem Hause Killer ans Herz legen. Gleiches gilt für Anwender, welche mehrere Anwendungen, die gleichzeitig auf das Netzwerk zugreifen, ausführen möchte, ohne dass es zu entsprechenden Aussetzern kommt.

Pro

  • Priorisierung des Netzwerktraffics
  • DoubleShot-Pro-Technologie
  • Gute Performance

Contra

  • Nicht als dedizierte Netzwerkkarten erhältlich

Ein besonderer Dank geht an Rivet Networks für die Bereitstellung des Testmusters.