Mass Effect Andromeda

Mit Mass Effect Andromeda haben wir heute den lang ersehnten Nachfolger der Mass Effect Trilogie im Test, in dem die Entwickler von Bioware an die alten Erfolge mit einem gesunden Mix aus alt und neu anknüpfen wollen.

In Andromeda bauen die Entwickler gewissermaßen auf die in den Vorgängern gehegte Story auf, was jedoch ohne Commander Shepard nicht immer möglich ist. Abseits des Grundgerüsts hat sich jedoch einiges geändert und so geht man in diesem Third Person Klassiker neue Wege.

Ob es die Entwickler schaffen uns, trotz der hohen Erwartungshaltung, in ein akzeptables neues Abenteuer zu stürzen, werden wir im Laufe des nachfolgenden Tests betrachten.

Hauptmenü

Doch bevor wir unseren Blick über den Neuankömmling der Reihe im Spiel selber schweifen lassen, sollten wir uns zunächst das Hauptmenü zu Gemüte führen. Das Menü wurde besonders schlicht gestaltet, wodurch man hier nicht nur auf graphischen Schnick-Schnack verzichtet, sondern auch eine klare Struktur geschaffen hat.

Wir sehen auf unserem Bildschirm, wie bereits angedeutet, nicht viel. Doch ist dies nicht weiter schlimm, da die gesetzten Akzente ein stimmiges Bild ergeben. Denn während die aktuelle Version dezent in der unteren linken Ecke angezeigt wird, sehen wir am unteren Rand die Tastenbelegungen. Hierbei handelt es sich um ein Feature, welches sich durch das gesamte Spiel zieht und so auch in hitzigeren Gefechten eine gute Beherrschbarkeit der Tastenbelegungen sichert.
Der Hintergrund zeigt einen animierten Planeten, welcher durch das Spiel mit Licht und Schatten hervorsticht. Die eigentlichen Funktionen finden wir trotz des verfügbaren Platzes komprimiert an einem Fleck. So sind alle im Hauptmenü befindlichen Funktionen unter dem in der oberen rechten Ecke prangenden Logo angeordnet. Auch unser Onlinestatus mitsamt dem Spielernamen bekommen wir hier angezeigt. Die anderen Funktionen sind alt bekannt und umfassen neben den Optionen auch die Möglichkeiten in den Multi- wie auch Singleplayer zu starten.

Hervorzuheben sind die Credits. So komisch es klingen mag, diese werden uns nicht am Ende des Spieles aufgezwungen oder auch in Zeitlupe vorgeführt. Wir können selbstständig die Geschwindigkeit anpassen und so die Tribut zollende Zeit, den Entwicklern gegenüber, nach unserem Belieben begrenzen.

Die Story

Speziell bei Mass Effect muss man einfach die Story hervorheben, besonders nach dem umstrittenen Ende des dritten Teils und bis dato vorerst letzten Teil der Reihe. Die finale Entscheidung vergangener Tage wird mit der Gründung der Andromeda Initiative, welche sich zeitlich im zweiten Teil einordnen lässt, seitens der Entwickler geschickt umgangen. Diese Initiative wurde gegründet, um eine neue entfernte Heimat für die Bewohner der Milchstraße zu finden.

Gedrängt durch eine Kombination des Reaper Problems mit dem menschlichen Verlangen nach Erkundung und Abenteuer, werden vier Archen in die Galaxie entsannt, wo sie neue Planeten finden sollen.
Jedoch landet lediglich Arche, welche die Hyperion mit den Ryder Geschwistern an Bord hat. Bei ihrer Ankunft im Zielcluster müssen diese feststellen, dass so einiges nicht nach Plan verlaufen ist bzw. verläuft, denn die Raumstation ist beschädigt, die Planeten sind unbewohnbar und obendrein sind die Bewohner des Clusters feindselig und wollen den Entdeckern an den Kragen. Durch all diese negativ einschneidenden Ereignisse droht die Mission zu scheitern. Doch zum Glück gibt es noch uns als Spieler.

Der Singleplayer

Diese Story dürfen wir im Singleplayer voll ausleben und gewissermaßen nach unserem Geschmack gestalten. Der Singleplayer befasst sich mit der Erforschung der Planeten in alt bekannter Manier. Doch die Neuerungen frischen das Bild der verstaubten Spielweise auf und schaffen es meistens, das Spielerlebnis auf einen gängigen Standard zu heben. So überzeugen z.B. die verschiedenen Möglichkeiten, wie man einen Dialog führen kann, den Effekt der Selbstbestimmung in die sonst so gelenkte Storywelt. Negativ aufstoßend sind uns lediglich die teilweise doch etwas peinlichen Konversationen zwischen den eher emotionslosen Charakteren.

So wirkt z.B. die Diskussion zwischen Jaal und Liam, welche sich als eine Beleidigung herausstellt in Kombination mit der gleichzeitig zu sehenden Szenerie eines halb nackten Liam und eines nackten Jaal etwas verstörend.
Generell jedoch sind die Charaktere und die Story, welche um sie gesponnen wurde, gut ausgearbeitet und bieten zahlreiche Verbindungen zur Story der Vorgänger Versionen. Diese Verbindung wird lediglich in manchen Punkten auf die Spitze getrieben. So benötigt eine wahrlich gute Lenkung von Dialogen gewisse Vorkenntnisse zu den Weltraumrassen. Welches man jedoch nur dann haben kann, wenn man die Vorgänger gespielt hat.

Zu diesem etwas zu kompliziert ausgefallenen Dialogsystem kommt erschwerend hinzu das durch bestimmte Funktionen, wie z.B. das Scannen der Planeten die Spielzeit künstlich in die Länge gezogen wird. Zu Beginn unseres Spieles erscheint es uns noch interessant und wir haben auch wahrlich Elan zum Scannen, mit der Zeit wird dies jedoch ein lästiges Übel.

Ausgleichend zu diesem Übel haben die Entwickler von Bioware mit den zahlreichen unterschiedlichen Planeten jedoch ein Setup geschaffen, welches seines gleichen sucht, denn hier bekommt man von den ewigen Wüsten von Elaaden bis hin zum Eisplaneten Voeld allerhand geboten. Jeder Planet hat dabei seine Reize und weiß durch filigrane Feinheiten zu bewundern.

Der Multiplayer

Im Multiplayer sehen wir, wie auch schon bereits im Singleplayer, ein altbekanntes Bild. Im Multiplayer stellen wir uns im Vierer Team gegen eine in Welle auftretende Horde aus Aliens. Um das Ziel zu erreichen, müssen wir uns sehr schlicht gesagt durch die Massen kämpfen. Gut finden wir die Tatsache, dass wir bereits im Multiplayer unseren Charakter anpassen können.

Doch trotz dieser soliden Art des Zusammenspielens hätten wir einen Multiplayer nicht als nötig empfunden. Wir vermissen zwar die reine Story der ersten zwei Teile, nur ist das Problem, das ein solches reines Solospiel, heute nicht mehr konkurrenzfähig wäre. Doch hier haben die Entwickler zumindest aus dem letzten Teil der Reihe gelernt und zwingen einen den Multiplayer somit nicht als Kernteil der Story auf. Sie haben den Mehrspieler separiert und so zwei getrennte Spiele erschaffen.

Was den Multiplayer etwas komplizierter macht, ist die meistens eher unübersichtliche und somit etwas schwerer zu interpretierende Interface.

Das Interface

Jenes Interface sticht beim heutigen eher schlichten Design eines Battlefield 1 oder anderen großen Titeln besonders hervor, denn die Entwickler von Bioware sind hierbei dem „alten“ Look eines Mass Effect Titels treu geblieben, wodurch wir keine besondere Schlichtheit, sondern das gewohnt verspielte Bild sehen.

Hier vermissen wir zwar eine Minimap in einer der Ecken, jedoch finden wir dafür die große Kombianzeige am mittigen unteren Rand äußerst gelungen. Hierdurch haben wir alle Informationen, von der Munition über das Leben bis hin zu den Fähigkeiten mit einem Blick auf dem Schirm und müssen unseren Blick so nicht von Anzeige zu Anzeige wandern lassen, sondern können uns auf das Spielen konzentrieren. Die nur temporär benötigten Informationen sehen wir direkt im Bild und werden somit nicht von einem überladenen Bildschirm genervt.

Das grafische Erscheinungsbild

Grafisch setzt Bioware auf das Flaggschiff einer Engine, denn mit der Frostbite 3 Engine nutzen sie die gleiche Basis wie Battlefield 1. Dementsprechend fallen auch die Texturen und Effekte aus. So zeigen sich uns durch das gesamte Spiel hinweg klare Texturen und sehr gute Effekte.

Lediglich auf größere Entfernungen fängt das Spiel an zu schwächeln und es wird eher ungestochen als gestochen scharf. Die Landschaften zeigen sich von ihrer detailreichen Seite und auch die Farben kommen kräftig hervor und bieten, je nach Situation ein einzigartig spektakuläres Bild.

Erste Momente im Spiel

Nach Jahren der Enthaltsamkeit ist es endlich soweit, wir dürfen unsere Hände an das neue Mass Effect anlegen und schauen, ob es seinen Vorgängern gerecht wird. Nachdem wir unseren Charakter bestmöglich an unser reales Ebenbild angepasst haben, wählen wir unsere Ausbildung.

Wie sollte es anders sein, wir nehmen den Kämpfer. Wir bestätigen unsere Herkunft als männlicher Shepard und starten in die Welt von Mass Effect. Nachdem wir das Intro angesehen haben, fühlen wir uns vollends in die Geschichte versetzt und beginnen an Bord der Hyperion. Hier sehen wir, wie das Schiff über 600 Jahre später zum Leben erweckt und somit im Zielgebiet angekommen ist. Wir werden nach unserem ausgedehnten Mittagsschlaf medizinisch durchgecheckt und werden prompt vor die erste Wahl einer Antwort gesetzt. Somit klicken wir uns durch die erste Konversation und fangen aufgrund einer Kollision, welche wegen eines Defektes ausgelöst wurde, plötzlich an zu schweben. Gerade aufgekommen erfahren wir das unsere Zwillingsschwester vorerst nicht aus ihrer Kyrokapsel aufstehen wird. Doch professionell wie eh und je schnappen wir uns Cora, die auch gerade auf dem Weg nach draußen ist und verlassen mit ihr die Aufwachstation, worauf hin wir sehr schnell die Aufgabe haben, das Schiff zu reparieren, da nach einer Explosion ein Relais überhitzt war. Nach dieser Explosion begeben wir uns zu der schiffsinternen Bahn und starten in unser Andromeda-Abenteuer. Nachdem wir auf dem ersten Planeten gelandet sind und uns etwas orientiert haben, treffen wir zum ersten mal auf die andere Spezies und werden nahezu unverzüglich in einen Kampf verwickelt. Wir ziehen unsere Waffe und schicken die ersten Gegner mit einigen Kopfschüssen auf den Boden. Dies geht jedoch leider nicht ganz so schnell, denn die Gegner haben Lebensanzeigen, welche heruntergeschossen werden müssen. Dennoch zeigt sich auch im weiteren Spielverlauf, das gute Waffenhandling sowie die teilweise fordernde Kampf-Engine. Nach dem besagten ersten Kontakt versorgen wir unsere Kameraden und starten mit dem Jetpack in die Richtung der neuen Welt.

Fazit

Kommen wir nun zu einer finalen Zusammenfassung. Die Entwickler von Bioware haben mit Mass Effect Andromeda einen Ebenwürdigen Nachfolger der beliebten Reihe auf den Markt der Rollenspiele gebracht. Die Inhalte der Story, sowie des Multiplayers, bieten ein sehr gutes Spielerlebnis und besonders das Skill-System, mit den in drei Übergruppen geordneten Fähigkeiten, lässt es uns offen auf welchen Bereich wir uns konzentrieren wollen. Grafisch erhalten wir dank der Frostbite 3 Engine wieder ein nahezu perfektes Meisterwerk, welches nur durch einige fehlende Animationen gedämpft wird. Das Spiel setzt aus dem Blickpunkt der Story gut zwischen dem zweiten und dritten Teil an und erzählt die Geschichte erfolgreich weiter. Besonders Rollenspielanfänger können bei Andromeda auf ihre Kosten kommen da es einem durch die wenigen Skills und Vorgaben viel Freiraum lässt, wodurch wir nicht zu 100 Prozent mit der Rolle bekannt sein müssen. Sollte Euch das Spiel überzeugt haben, könnt Ihr es je nach Plattform zu einem Preis von nicht ganz 40€* erwerben.

Ein besonderer Dank geht an EA Games dafür, dass wir Mass Effect Andromeda testen durften.

Mass Effect Andromeda

8

Grafik

9.0/10

Sound

8.0/10

Steuerung

8.0/10

Story/Inhalt

9.0/10

Extras

7.0/10

Preis

7.0/10